(c) BI-Dell, Stand 12.04.2017

(vgl. hierzu: Stadtteilgeschichte aus dem Ratsinfosystem)

 

Historische Entwicklung der Richtericher Dell (die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

vor 58 v.Ch

Da die Lößablagerungen aus der letzten Eiszeit stammen und sich daran anschließend der Boden über 8.000 bis 10.000 Jahre bilden konnte, ist davon auszugehen, dass bereits Kelten und Germanen (Eburonen) hier siedelten und den Ackerbau in der Richtericher Dell begannen.

D.P.J. Wynands (kleine Geschichte Aachens), schreibt die Namensbezeichnung "Richterich" den Kelten zu.

58 v.Ch

Der Ortsname Richterich weist nach A. Hausmann (Aachen zur Zeit der Römer, M&M-Verlag 1994) darauf hin, dass schon die Römer in Richterich (mit -ich angeblich von der lateinischen Endung -iacum) siedelten und sicherlich schon die sehr fruchtbaren Felder in der Richtericher Dell bestellten (ricteriacum). 

1600

1645 Richterich wird als "Riderich" und Horbach als "Heidum" dargestellt. Beide liegen im Grenzbereich zwischen JVLIACENSIS DVCATVS (Jülich) und MONTENSIS DVCATVS (Berghe) -ducatus = Herzogtum-

In einer Landkarte aus dem Jahre 1645 wird die gesamte Richtericher Dell als "Richericher Feld"  bezeichnet. Es wurde ausschließlich Landwirtschaft mit allen möglichen Feldfrüchten betrieben.

1700

Die Richtericher Dell hat ihren einzigartigen Charakter kartographisch nachweislich seit nunmehr über 350 Jahren beibehalten und bildet daher ein einzigartiges Kulturlandschaftsdenkmal. In den Landkarten aus den Jahren 1769 und 1785 ist die gesamte Richtericher Dell weiterhin als "Richericher Feld" bezeichnet. Auch in dieser Zeit  wurde hier ausschließlich Landwirtschaft mit allen möglichen Feldfrüchten betrieben.

1769 Windmühle in Forsterheide, Landgraben als Grenze.

1785 Richterich gehört zum "Land zur Heyden".

1800

1807 Richterich ist unter Napoleon französisch im Rhein-Departement (département rhin).

Gruben und Schürfe auf dem Vetschauer Berg (Kalkstein, Dolomit).

Östlich der Wurm erste Halden erkennbar.

"Richtericher Feld" ist zuletzt aus der Karte der napoleonischen Kartographen von 1807 zu entnehmen. In den späteren Darstellungen fehlen eindeutige Bezeichnungen.

1846 Im Banker Feld ist vor dem Abzweig nach Uersfeld eine Ziegelei verzeichnet.

Die Bahn-Strecke Aachen-Mönchengladbach wurde gebaut und die Strecke Aachen-Maastricht war geplant / projektiert. In Vetschau stand eine Windmühle.

1893 ist Bergbau in Kohlscheid Kämpchen, Neu Laurweg und Carl Friedrich Schacht 1 verzeichnet. Die Bahn-Strecke Aachen Maasticht ist fertig.

1900

1910 ist der Schacht 2 von Carl-Friedrich verzeichnet. Weiterer Bergbau geht von Kohlscheid aus unter Richterich um (Laurweg, Kämpchen). Die Wilsberghalde wächst an.

1937 sind die Gruben Carl-Friedrich und Kämpchen aufgegeben. Lauerweg fördert und der Wilsberg wächst weiter.

1939 sind an Carl-Fridrich zwei neue Halden aufgeschüttet.

1954, 1963, 1969 und 1971 zeigen keine Veränderungen.

1976 hat auch Neu Laurweg in Kohlscheid den Bergbau eingestellt.

1980

Die Beschaulichkeit in der Richtericher Dell endete, als der Flächennnutzungsplan 1980 der Stadt Aachen im Jahre 1980 aufgestellt wurde, und für die Richtericher Dell ein riesengroßes Gewerbe- und Industriegebiet, die B 259n und bereits die Ortsumgehung Richterich mit Anbindung an das später geplante Gewerbegebiet AVANTIS auswies. In der Kartengrundlage zum FNP 1980 ist bereits die Flurbezeichnung Richtericher Dell zu lesen.

(Ausschnitt aus dem zurzeit noch gültigen Flächennutzungsplan 1980 der Stadt Aachen,

in Blau die Umrisse des neuen Projektgebietes Richtericher Dell - (C) FNP 1980 - ergänzt BI-Dell)

Nachdem eine Bürgerinitiative mit dem Slogan "Aachens Nordwesten will man verpesten" und eine weitere Bürgerinitiative mit dem Slogan "B 259 nein" die weitreichende Bebauung der Richtericher Dell verhindern konnten, wurde im weiter nordwestlich liegenden Grenzgebiet zu den Niederlanden das Gewerbegebiet AVANTIS gegen starke Bürgerproteste durchgesetzt. Das Gewerbegebiet hat bis heute nicht annähernd die städtischen Erwartungen erfüllt und ist in weiten Bereichen durch Photovoltaik-Test-Anlagen sowie einen "Verkehrskindergarten" der Deutschen Post fehlgenutzt, zumindest aber mindergenutzt.

Bisher liefen Kosten von über 20 Millionen € auf und die Betreiber- bzw. Vermarktungsgesellschaft AVANTIS GOB N.V. kann noch nicht einmal die Zinsen dafür aufbringen, wie aus der Bekanntmachung vom 15.03.2014 AN zu entnehmen ist.

Erst gegen Ende des oberflächennahen Steinkohlebergbaus unter Richterich, Horbach und Kohlscheid erscheint erstmals ab 1986 die Bezeichnung "Richtericher Dell" in der offiziellen topographischen Karte 1:25.000, womit sicherlich die vielen bergbaulich bedingten Senken bzw. "Dellen" gemeint sind, die die Richtericher Dell auch heute noch von Ost nach West durchziehen.

1994

Die Politik in Aachen beschließt, mehrere Neubaugebiete auszuweisen, um auf die Nachfrage nach Wohnraum zu reagieren.

1997

Seit 1997 rückte die Richtericher Dell wieder in den Fokus der Bauinteressen nachdem ein Gutachten zur Wohnungsbedarfsanalyse und -prognose die :

  • "verstärkte Bereitstellung und Mobilisierung von Wohnbauflächen v.a. für den Eigenheimbau" neben der
  • "sozialen Wohnraumförderung durch Bestand und Neubau", der
  • "Förderung / Durchsetzung kostengünstigen Wohnungsbaus" und der
  • "Förderung altengerechten Wohnungsbaus im Bestand und Neubau"

auswies.

1999

1999 wurde von der Stadt ein Baulückenprogramm und 2002 aufgrund der damaligen Wachstumsprognosen und dem im Bau befindlichen Gewerbegebiet Avantis die vordringliche Bearbeitung von Planbereichen ausschließlich auf städtischen Flächen beschlossen, zu denen auch die Richtericher Dell gehörte.

2003

Ab ca. 2003 wurden erste Untersuchungen, Planungen und Gutachten vergeben, die zur Erschließung des Baugebietes in der Richtericher Dell dienen sollten. "Qualifizierungsverfahren" zur Planung der Richtericher Dell für den Masterplan 2006.

Masterplan Wasser, Versickerung, Wasserführung, Abwasserführung, wasserwirtschaftliche Aspekte

2004

Beschluss zur Aufstellung eines Masterplans.

2005

Erstellung einer Verkehrsgutachtens 2006.

Präsentation des Masterplans 2006.

2006

  • Fertigstellung des Masterplan 2006 mit einem Baugebiet für ca. 3.500 Menschen, einer "Stadtmauer" als markante Abgrenzung der Bebauung gegen Norden sowie einer randlich im Osten und Norden verlaufende Hauptsammelstraße bzw. Hauptumfahrung.

2007

Fertigstellung des Verkehrsgutachtens 2007 mit Untersuchungsstand 2006.

  • Laut Vorwort keine Berücksichtigung von zukünftig zu erwartendem, zusätzlichem Verkehr aus Avantis und Holland.

2008

Orientierungsgutachten für die Stadt Aachen von empirica/Quaestio 2009 mit Stand bis Ende 2008 zur Erstellung von drei Szenarien für mögliche Stadtentwicklungen ohne Berücksichtigung der studentischen Zahlen:

Entwicklung ohne städtische Eingriffe (status quo) -Bevölkerungsrückgang-

Wohnungsmarktoffensive -gleichbleibende Bevölkerungszahlen-

Wirtschaftliches Wachstum -Bevölkerungszuwachs-

  • 2011

Zensus 2011

2012

  • Abschluss Masterplan Aachen*2030 im November 2012, der bereits ein Baugebiet in der Richtericher Dell (Baggersymbol) supperiert und dann auch noch berücksichtigt, obwohl dazu überhaupt noch kein Bauleitplanverfahren begonnen worden war.

  • Aufstellungsbeschluss im Dezember 2012 zur Einleitung des Bauleitplanverfahrens für den ersten Bauabschnitt in der Richtericher Dell.

2013

  • Beginn der Vorplanungen (Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans FNP 128 und Aufstellung des Bebauungsplans BP 950)

  • Frühzeitige Bürgerbeteiligung (Januar 2013)

  • Bearbeitung der Bürgeranregungen (2016 noch in Arbeit)

  • Umweltvertäglichkeitstudie zur Ortsumgehung Richterich (Planfeststellungsvariante)

  • Geruchsemissionsgutachten Mischwasserrückhaltebecken

  • Schallgutachten

  • Ergebnisse des Zensus 2011

  • Beauftragung einer Aktualisierung des empirica/Quaestio Gutachtens von 2009

  • Beauftragung zur Erstellung eines Baulandkatasters

Gründung der Initiative "Bürgerinteressen Richtericher Dell - BI-Dell"

  • Erste Untersuchungen zur Kampfmittelfreiheit im geplanten Bauabschnitt 1

  • Erste Archäologische Untersuchungen im geplanten Bauabschnitt 1

2014

  • Stellungnahme Umweltminister NRW Remmel zum geplanten Bauvorhaben Richtericher Dell im Schreiben an die BI-Dell

  • Aufstellung des "Neuen" Flächennutzungsplan 2030*Aachen und Durchführung der frühzeitigen Bürgerbeteiligung hierzu

  • Einleitung des Bauleitplanverfahrens für die Ortsumgehung und den zweiten Bauabschnitt Richtericher Dell.

  • Bürgerbegehren der BI-Dell gegen den Aufstellungsbeschluss zum zweiten Bauleitplanverfahren

  • Ergebnis Bürgerbegehren: über 4.000 Zustimmungen; trotzdem gescheitert, da mehr als 7.000 Zustimmungen in ganz Aachen erforderlich gewesen wären..

2015

  • Zweite Untersuchungen zur Kampfmittelfreiheit im geplanten ersten Bauabschnitt
  • Zweite archäologische Untersuchungen im geplanten ersten Bauabschnitt
  • Frühzeitige Bürgeranhörung zum zweiten Bauabschnitt
  • November 2015 Vorstellung des Baulandkatasters der Stadt Aachen

2016

  • Veröffentlichung des Baulandkatasters (eigentlich Baulückenkatasters) im Rats-GIS
  • Verabschiedung des Haushaltsplans Aachen 2016 für den Zeitraum 2014/15 bis 2019 mit einzelnen Positionen für die Richtericher Dell.
  • Sachstandsvbericht der Stadtverwaltung zum "neuen" FNP 2030*AC (derzeit geschätzter Offenlagetermin: Ende 2017) Damit sind fast alle Haushaltspositionen für die Richgtericher Dell bis 2018 nur noch Makulatur, da vorher ohne Genehmigung nichts gebaut werden darf.